Kirchengeschichte

Schon 1276 wird jene St. Adelheidskapelle in Uttwil erwähnt, deren Abbruch späterhin eine so folgenschwere Rolle gespielt hat. Sie wurde 1303 vom Kloster Münsterlingen in Besitz genommen und zu einer Wallfahrtskapelle bestimmt. Da Uttwil zum grössten Teil in Sommeri, zum kleineren in Münsterlingen kirchengenössig war, bauten die Dörfler um die Mitte des 15. Jahrhunderts aus eigenen Mitteln (ältestes Glockendatum 1452) einer der Heiligen Anna geweihtes Tauf- und Begräbniskirchlein, das zwar fürs erste noch von Sommeri aus versehen wurde, für das sich aber Uttwil, darauf pochend, es selbst bezahlt zu haben, die Kollatur (Recht zur Einsetzung des Pfarrers) sicherte. Ihre Toten hatten sie nun nicht mehr in Sommeri oder Münsterlingen zu bestatten. Früh, 1524, ist in Uttwil und den benachbarten Dörfern die Reformationsbotschaft durch den deutschen Prädikanten Niklaus Frisch offenbar mit so viel Feuer und Überzeugungskraft verkündet worden, dass Zwinglis Lehre einmütig angenommen wurde. Schon bald nach dem Einzug der Eidgenossen im Thurgau erwirkte Uttwil, das noch als Filialgemeinde von Sommeri galt, die Anstellung eines eigenen Pfarrers. Das Dorf, das damals sechzig Häuser zählte, hatte ihm ein Pfarrhaus an der einstmaligen Landstrasse errichtet. Dem Uttwiler Kaplan „Hans“ verursachte der Glaubenswechsel kaum Beklemmungen; er dürfte nach wie vor kein Musterknabe gewesen sein, denn bald danach wurde er von der Synode gewarnt, „sines unmässlichs Trinkens abzustehen und emsig zu studieren, sich auch behutsamer Worte befleissen und ergerliche Gesellschaft zu miden.“ Der Nachfolger dieses geistlichen schwarzen Schafes, Konrad Stückli, wurde 1529 unter dem Zuger Landvogt Zigerli „wegen seiner Liebe zum Evangelium“ von Uttwil „vertrieben“, die Ausweisung muss aber ein oder zwei Jahre darauf durch einen reformierten Glarner Landvogt wieder aufgehoben worden sein. Über die meisten der seitherigen Seelsorger des Dorfes bestehen rühmliche Zeugnisse; als 1548 nach der Einnahme von Konstanz durch österreichisches Kriegsvolk sämtliche Pfarrer der blühenden reformierten Kirche der Stadt diese verlassen mussten, kam, wie mehrere seiner Amtsbrüder, Ulrich Schmidhauser in die Schweiz und nahm gern mit der Betreuung der bescheidenen Uttwiler Dorfpfarrer vorlieb.

1578 wurde der Kirchturm erhöht und zu zwei bisherigen Glocken eine dritte angeschafft. 1618 einigten sich die Gemeinden Uttwil und Kesswil, „für unbestimmte Zeit, solange es ihnen gefalle“, auf einen einzigen Prädikanten. Nach der Entscheidung von Kappel 1531 war der Landfrieden nach den Wünschen der Sieger geschlossen worden. Ausser Zürich und evangelisch Glarus stellten die übrigen fünf Orte die jeweilen für zwei Jahre ernannten Landvögte. Zürich nahm die Reformierten in seinen besonderen Schutz. Doch ist es verständlich, dass in den zehn Jahren, da jeweilen nach dem Umbruch von vier Jahren katholische Landvögte regierten, diese ihre Kirche begünstigten und den Prädikanten scharf auf die Finger sahen; ebenso, dass die meist Jugendlichen, im Geiste Bullingers geschulten Zürcher Pfarrer gelegentlich im Kampf ihrer Gemeinden gegen willkürliche Zumutungen von Beamten der geistlichen Gerichtsherren wie der Äbte von St. Gallen und der Bischöfe von Konstanz, mitunter ein zorniges Wort fallen liessen, das ihnen, falls ein Zuträger um die Wege war, wenn nicht Entsetzung vom Amte, oft fast unerschwingbare Geldbussen eintrug. Es wehte ein scharfer Wind. Die katholischen Feiertage mussten überall gehalten werden; auch rein evangelische Dörfer hatten Zehnten und Zinsen an katholische Pfründe zu leisten. So das früher arme Uttwil, das bis zum Siege der reformierten Orte bei Villmergen 1712, dem katholischen Pfarrer von Sommeri als „kleinen Zehnten“ alljährlich 3 Gulden und 12 Batzen nebst vier Vierteln Nüssen liefern musste; der reformierte Pfarrer in Kesswil-Uttwil hatte bis zu diesem Jahre aus seinem schmalen Einkommen jährlich fünf Gulden und zwei Mütt Kernen an den Priester von Romanshorn abzugeben, um für vor der Reformation verstorbene Dorfgenossen Seelenmessen zu lesen.

1769 beschloss das Dorf einstimmig, wieder einen Prädikanten anzustellen und erbot sich, zu diesem Zwecke aus freiwilligen Beiträgen einen Grundstock von 4’000 Gulden aufzubringen. Unter seinem strammen Kirchenpfleger Leutnant Henauer widersetzte sich Kesswil zur Trennung. Es entspann sich ein hitziger Streit: die Uttwiler erklärten, den Pfarrer von Kesswil am Betreten der Kanzel zu hindern. Beide Dörfer schickten wiederholt Abordnungen nach Zürich, wobei von Kesswil unter andern Liebeswürdigkeiten der Ausdruck von den „frechen Uttwilern“ fiel. Schliesslich gab Uttwil nach, und die Gemeinden blieben vereinigt.1792 wurde die Uttwiler Kirche nochmals nach Westen hin vergrössert, 1794 in Lindau eine neue Glocke bestellt, deren zehnzeilige Beschriftung mit den Worten endet:

„Mein Schall in Christi Namen Bring Heil in Utweil. Amen!“

1862 fielen die Kirche dem unseligen Baustil der Zeit zum Opfer, indem die einfachen Rundbogen durch anspruchsvolle, bis dicht ans Dach ragende Kathedralfenster ersetzt und gusseiserne gotisierender Zierat angebracht wurde. Bei der Erneuerung der Friedhofsmauern, 1871, hat man aus heute unerfindlichen Gründen den Westeingang von der Seestrasse an deren Ecke zur Landstrasse verlegt. 1959 ist dem kurz vorher mit vierstimmigen Geläut und einer Orgel ausgestatteten Gotteshaus in vorbildlicher Weise seine alte Gestalt wiedergegeben worden. Im Jahre 1973 wurde der Innenraum der Uttwiler Kirche neu gestaltet. So wurden die zwei Bankreihen mit Mittelgang zu einem einzigen Teil zusammengenommen. Dadurch entstand an den Seitenwänden je ein Durchgang. Von welchen aus die Bankreihen betreten werden können. Zudem wurden die Sitzbänke gepolstert, diese nicht aus Gründen der Bequemlichkeit, sondern auch, um die Akustik zu verbessern. Seit einigen Jahren finden regelmässig Konzerte mit klassischer Musik in der Kirche statt. Die katholischen Einwohner unserer Gemeinde haben seit einigen Jahren die Möglichkeit, pro Jahr bis zu sechs Gottesdienste in Uttwil abzuhalten.

Die ganze Inschrift der 11 Uhr Glocke lautet:

1794 gegossen in Lindau zur Ehre Gottes
Ich bin ein Werk der Harmonie,
der Wunsch der meisten Leute.
Durch ihre Schenkung hang ich hier,
erfüll was ich bedeute.
Ich ruf sie zu Gottes Haus,
beklage die Toten.
Ich verkünd die Tages Zeiten aus
und kröne die Verlobten.
Mein Schall in Christi Namen,
bring Heil in Utweil – Amen.